Kapitel 1: Alyna

Kapitel 1: Alyna

Hinweis: Die Geschichte ist WIP bis zur finalen Veröffentlichung als Buch/E-Book. Die Geschichte kann in künftigen Kapiteln auf andere Vorgeschichten zurückgreifen, die aus zeitlichen gründen nicht mehr angepasst werden. Es besteht kein Anspruch auf vollständigkeit oder kontinuität oder weitere Veröffentlichung. Es können noch Tippfehler, Rechtschreib – und Grammatikfehler, sowie Logikfehler auftauchen, die erst bei einer Überarbeitung auffallen, da Schreiben sehr Denkintensiv ist.

Der Königswald von Alendas ist der schönste der Welt, zumindest wenn man die weite Welt nicht kannte. Alyna lernte schon früh, was es heißt, die echte Welt zu erleben. Nicht die Welt einer jungen Lady am Hofe, sondern die gefährliche, schonungslose Welt. Alyna streift gerne durch die Wälder. Manchmal gelang es ihr sogar, mit ihrem Bogen einen Hasen zu erlegen. Vater erlaubte ihr natürlich keinen Bogen, noch weniger das Jagen und erst recht nicht, einen Hasen zurück zur Burg mitzubringen. Den Bogen stahl sie aus der Waffenkammer und Bogenschießen erlernte sie heimlich im Wald. Ihr Vater wusste es, aber er konnte seine sechzehnjährige Tochter nicht einkerkern, noch wollte er sie dafür bestrafen. Mit Zehn Jahren hatte sich Alyna aus den fähigsten Rittern des Landes, eine Leibwache ausgewählt, die fortan in der Königsgarde diente. Sie suchte sich nicht den Stärksten aus, nicht den größten und nicht einen aus der wohlhabendsten Familie des Reiches. Nicht den besten Schwertkämpfer oder derjenige, der die meisten Siege im Zweikampf errang. Sie stellte jedem Bewerber nur eine Frage, die nur einer von ihnen es schaffte, zu ihrer Zufriedenheit zu beantworten. „Was möchte ich?“ Sie hörte viele Antworten, mehrfach die gleiche. Aber nur Ser Tristen Selm kannte die richtige Antwort. „Ihr wollt keine Lady sein, Mylady. Ihr habt blaue Flecken, mehr als ich in eurem Alter, Spuren einer Sehne, die an eurem Unterarm entlang streifte und eure Hofetikette ist… ausreichend.“ Mit 20 Jahren wurde Ser Tristen Selm zur Königsgarde berufen; der jüngste Ritter jemals in der Geschichte Alendas.

Alyna wanderte durch die Wälder, sie genießt diese kurzen Momente, in der sie einfach sie selbst ist und nicht Prinzessin Alyna von Alendas. Sie hätte vor Stunden zum Nachmittagsunterricht bei Magister Rarik erscheinen sollen, der ihr die großen Häuser Thelas beibringen solle, anschließend würde ihre Hauslehrerin höfische Etikette beibringen. Alyna hasste die falsche Höflichkeit am Hofe und mochte am liebsten nichts zu tun haben. Magister Rarik und ihre Hauslehrerin, werden längst ihrem Vater gemeldet haben, dass sie mal wieder, zu ihrem Unterricht nicht erschienen ist. Sie störte das nicht, vielmehr ist sie aufs Neue mit ihrem Bogen im Königswald unterwegs. Ihr grünes Kleid streifte am Waldboden entlang, es ist an einigen Stellen zerrissen, da sie immer dasselbe für ihre Waldabenteuer trägt. Sie wollte nicht unnötig ihre guten Kleider zerstören. Mehrfach bat sie um passendere Kleidung zum Wandern und klettern, aber dies zierte sich nicht für eine Lady, sagte ihre Lehrerin immer wieder. „Es zierte sich nicht für eine junge Prinzessin im Dreck zu tollen, wie ein verfilzter Bauerntölpel“, sagte sie zu ihr. Eine Prinzessin solle lernen, zu gefallen, den Haushalt der Burg zu auf Trab zu halten und ihrem Gemahl viele Söhne schenken. Alyna widerte dieser Gedanke an.

Sie hörte hinter sich ein Rascheln; Alyna duckte sich, versuchte die Quelle zu ermitteln. Vorsichtig nahm sie einen Pfeil aus ihrem Köcher und legte es in ihren Bogen ein. Die Geräusche kamen näher. Sie spannte ihren Bogen, zielte in die Richtung der Geräuche. In ihrem Kopf überlegte sie, welches Tier solche Geräusche verursachte. Sie war sich sicher, dass es ein langsames Tier sein musste, langsam und schwer. Damit konnte es kein Hase oder Fuchs sein, aber auch kein Hirsch oder Reh. „Was ist wenn es ein Wildschwein wäre?“, dachte sie. Sie wusste, dass ihr Bogen keine Chance hätte, wenn es ein Wildschwein wäre. Ein Pfeil würde das Wild nur anstacheln und sie dann anstürmen, verletzen oder töten. Alyna bekam es mit der Angst zu tun. Sie ging einige Schritte zur Seite, versteckte sich hinter einen Baum, um den sie spähte. Das Tier kam näher, das Klimpern eines Brustpanzers ebenfalls. Sie sah die blausilberne Rüstung, wie die Königsgarde sie trugen, aus dem Dickicht ragen. Es war Ser Tristen, der in ihre Richtung lief. Alyna kam hinter dem Baum hervor und ihr Pfeil verschwand im Köcher, der an ihrem Rücken befestigt war. „Prinzessin,“ sagte er, „ihr wisst das euer Vater euch verbietet alleine in den Wald zu gehen“. Er blieb vor ihr stehen, seine Hand abgestützt am Schwertgriff seines Schwertes. „Ich wollte nur etwas Bogenschießen üben. Wenn Vater mich in der Burg üben ließe, dann müsste ich nicht in den Wald gehen.“ Sie blickte in sein Angesicht. Ein rechteckiges Gesicht, ein kurzer, gepflegter Vollbart, kurzes lockiges Haar und seine Stimme, mit der er nie laut oder streng wurde. „Würdet ihr mich in eure Pläne einweihen, dann würde euer Vater mich nicht wieder belehren, dass es meine Pflicht ist, auf euch Acht zu geben, meine Prinzessin.“ Alyna wusste, dass sie Ser Tristen bedingungslos vertrauen konnte. Als sie einmal Lord Dustin in Rittermark besuchen sollte, hat sie auf halber Strecke mit ihrem Tross, in einer Taverne halt gemacht um dort die Nacht zu verbringen. Sie schlich sich heimlich in den Gastraum, trank, speiste und lachte zusammen mit dem gemeinen Volk. Ser Tristen erwischte sie, erzählte es niemanden weiter, wenn sie versprach nächstes Mal ihn zu warnen, dass sie wieder gefährliche Dummheiten vorhatte.

Alyna fühlte sich ein ein klein wenig schuldig, „Ich weiß Ser Tristen, es tut mir auch leid. Ein wenig“, grinste sie, „aber irgendwas hier draußen ruft mich.“ Sie wich seinem Blick aus. Für Sie ist er nicht nur Beschützer, sondern auch ein Freund und Lehrer. Seine Stimme war sanft und seine Gesichtszüge weich: „Der Tag an dem ihr mich in eure Pläne einweiht, ist der Tag an dem die Welt zu Ende gehen wird. Kommt Prinzessin, lasst mich euch nach Hause begleiten.“ „Deshalb erzähle ich es euch ja nicht, das Schicksal der Welt hängt davon ab!“ Scherzte sie, während sie sich auf den Weg begab. Es war nur ein kurzer Weg, zurück zur Burg ihres Vaters Ardenhall, da sie bisher noch nicht den Mut fasste mehr als eine Wegstunde, sich von der Burg zu entfernen. Mit Ausnahme in die Hauptstadt Aleria, die zwar etwas weiter entfernt ist, aber durch den Königsweg gut zu erreichen war. Oft begleitete sie Ser Tristen und ein Dutzend Gardisten in die Stadt. Dort gab es den großen Markt, bei dem Händler ihre Waren aus der Region, Handwerker ihre Dienstleistungen und die Gaukler ihr Talent darboten. Für Alyna war die Schwarze Gasse aufregender. Händler aus den fernen Ländern von Zahoi oder Ar-Balesh, verkauften hier Waren, die es in Alendas oder gar Thelas nicht zu kaufen gibt. Insbesondere die duftenden Gewürze und Speisen faszinierten Alyna, die sich von den Gerichten ihrer Heimat abwichen. Sie sind oft schärfer oder milder, erinnern an Früchten, die sie nicht kannte, oder ein seltsames weißes weiches Korn, das auf ihrer Zunge zergeht. In der Schwarzen Gasse tummelten sich viele Geschichtenerzähler, oft Söldner oder Abenteurer, die in den Tavernen ihre Abenteuer zum besten wiedergaben. Alyna lauschte oft diesen Geschichten aus der ferne, entweder alleine oder mit Ser Tristen in Begleitung, getarnt als niedere Bürger der Stadt. Sie liebte die Geschichten, sie zeigten wie die Welt außerhalb der Burg wirklich ist. Der Tross an Gardisten ließ sie weiter entfernt zurück, so schlug es Ser Tristen vor und keiner der Gardisten hatte es gewagt, einen Ritter der Königsgarde zu widersprachen.

Sie dachte an Ihrem Vater, der letztens immer weniger Zeit für sie und ihre Brüder hatte, der vermehrt länger in der Nacht wach blieb oder mit seinem Rat stundenlange tagte. „Wird mein Vater sehr sauer sein, Ser Tristen?“ Ser Tristen schien sichtlich bemüht zu sein, eine passende Antwort zu finden, da er einige Momente benötigte, eine passende Antwort zu finden. „Euer Vater war bisher nie zornig auf euch Prinzessin. Warum sollte es dieses Mal anders sein? Er sorgt sich nur um eure Sicherheit“ Alyna war sich bewusst und es schmerzte sie jedes Mal, wenn ihr geliebter Vater sich sorgte. „Aber, von diesem Ausflug weiß er nichts. Ich konnte Rarik und Modaine rechtzeitig überzeugen, aber ihr solltet euch entschuldigen und versprechen euch künftig abzumelden.“ „Wisst ihr was meinen Vater in letzter Zeit umtreibt? Ich sehe ihn seltener als früher“, wechselte sie das Thema. Ser Tristen könnte es wissen, dachte sie sich, da er manchmal den König begleitete. Oder möglicherweise sprach er mit Ser Velyn, dem Kommandant der Königsgarde, über die Verpflichtungen des Königs. „Nein Prinzessin, der König vertraute mir seine Gründe nicht an.“ Alyna war enttäuscht darüber, dass Ser Tristen ihr nicht mehr sagen vermochte. Sie trat einen kleinen Stein, der vor ihr auf dem Boden lag, einige Meter vor ihr in einen nahe gelegenen Busch. Ser Tristen musste die Enttäuschung bemerkt haben und setzte nach: „Der König hat in letzter Zeit viele Bittsteller, vor allem die Lords der Küste und Berge, scheinen immer öfter und längere Bitten an den König zu stellen.“ „Sie sollen froh sein, dass es ihnen so gut geht. Wir haben seit über ein Jahrhundert frieden und keine Krisen, dank meinem Vater und seines Vaters.“ entgegnete Alyna. „Das ist das Problem, meine Prinzessin. Sie suchen sich neue Probleme.“ Alyna wusste nicht genau, was Ser Tristen damit meinte, „Sie suchen sich neue Probleme“ wiederholte sie, in ihren Gedanken. Es gab einige Probleme im gesamten Reich.

Über ihnen flog ein Schatten hinweg. Groß, viele Meter breit und doppelt so lang, mit einem Schweif. Sie blickte hoch, aber durch die Baumkrone vermochte sie nichts zu entdecken. Sie blickte zur Ser Tristen: „Ist einer meiner Brüder ausgeritten, nachdem ich die Burg verlassen habe?“ „Nein, Prinzessin“, antwortete er knapp. Alyna jubelte laut, hob den Saum ihres Kleides an und rannte los. „Prinzessin, nicht so schnell,“ schrie Ser Tristen ihr hinterher. „Mein Bruder ist heimgekehrt!“, rief sie lautstark ihrem Begleiter zurück, folgte dann den Schatten durch den Wald. Sie hatte ihr Bruderherz schon seit 6 Jahren nicht mehr gesehen, zuletzt als er sich von Ardenhall verabschiedete in Richtung Sonnenfall, um bei Lord Arvell als Mündel zu dienen. Alyna kann sich gut an jenen Tag erinnern, sie weinte nicht wenige Stunden und konnte nicht aufhören, ihn zu umarmen. Er nahm sie zum ersten Mal in den Wald, zeigte ihr, wie man einen Bogen hielt, und passte immer auf sie auf. Vater sagte zu ihr: „Es ist seine Pflicht, mein Kind. Er soll das Band zwischen unseren Familien stärken und einmal im Leben an einem fremden Hof gelebt haben.“ Alyna verstand damals nicht warum und jetzt empfindet sie es ungerecht. Sie blickte nach hinten, zu Ser Tristen, der mittlerweile sie einholte. „Prinzessin“, keuchte er, „ihr macht es manchmal nicht einfach euch zu beschützen.“
„Mein Bruder! Ser Tristen! Ich muss ihn als erstes begrüßen, wissen wer er geworden ist.“
„Das werdet ihr noch früh genug, er wird euch nicht verschwinden. Sollte ihre königliche Hoheit über eine Wurzel stolpern und sich den Fuß brechen, dann werden ihr Darian vom Krankenbett aus begrüßen müssen.“
Alyna schauderte der Gedanke. Sie entschied sich, den restlichen Weg im normalen Tempo mit Ser Tristen zu gehen, es war ohnehin nicht leicht, in einem Kleid zu rennen.

Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis Alyna und Ser Tristen, die Burg Ardenhall erreichten. Die Torwachen erwarten sie längst. „Meine Prinzessin, ihr werdet bereits erwartet. Prinz Darian kehrte gerade zurück und verlangt, euch zu sehen.“ Die Wachen verneigten sich, als Alyna durch das Tor schritt. Ser Tristen folgte ihr, innerhalb der Burg wich er ihr nur selten von der Seite. Im Burghof wurden einige Truhen aus einem Karren entladen und sie entdeckte Ser Bolen, er begleitete ihren Bruder nach Sonnenfall. Sie konnte Ser Bolen nicht ausstehen. Er behandelte sie nicht mit dem gleichen Respekt, wie er ihre Brüder behandelte. Sie war froh, als Vater ihn auswählte, um ihren Bruder zu begleiten. Er war immer kälter, abweisender, fasst schon herablassend, sie konnte es sich nicht erklären. Er bemerkte sie, blickte sie einige Momente emotionslos an, nickte knapp: „Prinzessin,“ bevor er in den Bergfried verschwand. Sie fragte die Bediensteten, wo ihr Bruder sich aufhielte. Sie wussten es nicht. Alyna ging in ebenfalls in den Bergfried, aber nahm einen anderen Eingang. Sie mied Ser Bolen, selbst wenn es in einer Burg sich ab und an als äußerst schwierig darstellte. Sie suchte ihn überall, im Thronsaal, im Ratszimmer, auf den Türmen und Zinnen und in seinem Zimmer. Frustriert gab sie nach einer Stunde auf und kehrte zurück in ihre Kammer. Nachdem sie die Tür öffnete, entdeckte sie jemanden, der auf ihrem Bett lag. Es war Darian.


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